Coverimage von Jens Wazel

Der Ring des Nibelungen - Peking-Oper trifft Musiktheater (2019)

Die Neuinszenierung des „Ring“ experimentiert mit stilisierten Codes der Peking-Oper und dem Nibelungen-Mythos von Richard Wagner im Sinne eines interkulturellen Diskursangebotes. Der poetisch-visuelle Stil der deutschen Regisseurin Anna Peschke verbindet sich mit der ausdrucksstarken Peking-Opern-Ästhetik des chinesischen Co-Regisseurs Liu Dake auf der Suche nach einer neuen Theatersprache. Die Akteure sind in China angesehene Darstellerinnen und Darsteller der traditionellen Peking-Oper, die gemeinsam mit zeitgenössischen Tänzerinnen und Tänzern sowie Sängerinnen und Sängern aus Deutschland eine neue künstlerische Ausdrucksform schaffen und erkunden. Die Kompositionen von Aziza Sadikova und Qiu Xiaobo umfassen Neue Musik ebenso wie klassische Peking-Oper-Melodien und werden von einem Ensemble mit europäischen und chinesischen Instrumenten präsentiert.

Eine Koproduktion der CNPOC China National Peking Opera Company und dem DFK Deutschen Freundeskreis europäischer Jugendorchester e.V., durchgeführt von der Dr. Gabriele Minz GmbH im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Peking. Gefördert durch Mittel der Lotto Stiftung Berlin und des Auswärtigen Amts.

„Geben wir uns der der magischen Welt des RINGES hin,
Dann entdecken wir staunend ein Geheimnis, ohne es ganz zu verstehen.
Diese stilisierte Sprache aus Gesten, Bewegungen und Blicken erscheint fremd.
Die Bewegungen und Wörter der deutschen Darsteller wirken bekannt, aber selbst da trifft man auf Unerwartetes. Die Spielweisen bereichern sich gegenseitig.
Rhythmus ist im ganzen Spiel, im Sprechen, im Tanz und in der Kampfkunst, mit Präzision auf Trommelschläge.“
(Anna Peschke)

Macht und Vernichtung

Da ist diese Gier nach Macht, der ewige Hunger nach Reichtum, das bisschen Luxus, den man sich gönnen möchte. Verzichten können wir dann nächste Woche. Wir sind unfähig, größer zu denken, aber wie könnten wir, wenn sogar der oberste der Götter nur daran denkt, sich selbst ein prachtvolles Schloss bauen zu lassen und dann seine Schwester als Bezahlung anbietet? Dieser große Götterkönig opfert seine Kinder, weil er sich selbst verfangen hat in einem Netz aus Gier und Manipulation.
„Das Unvergleichliche des Mythos ist, dass er jederzeit wahr, und, bei dichtester Gedrängtheit, für alle Zeiten unerschöpflich ist.“ (Richard Wagner)
Wir stehen vor einem Scheiterhaufen, auf dem nicht nur ein toter Geliebter liegt, sondern Ökosysteme, Arten und Völker sind zur Feuerbestattung aufgebahrt. Wir tragen Mitschuld, aber wir bekommen die Freiheit, einen Neuanfang zu wagen. Brünnhilde hat für uns Menschen Tabula Rasa gemacht, bestehende Ordnungen zertrümmert - werden wir die Verantwortung annehmen? Schließen wir uns zusammen? Wem werden wir folgen, alten Männern oder energischen Mädchen? Mythische Götterwelt, Heldensage und Gralsmythos erzählen vom immer wiederkehrenden Zyklus des Lebens – aber der Moment ist jetzt und kehrt nie wieder.
(Anna Peschke)

Für uns Darsteller der Peking-Oper ist es eine spannende Herausforderung, die Sprache Wagners, die tief verwurzelt ist in der europäischen Kultur, in die Sprache des Meisters Mei Lan Fang zu übersetzen, der die Ausdrucksweise der Peking-Oper maßgeblich geprägt hat. Mit den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten der Peking-Oper, also Gesang, Sprache, Bewegung, Tanz und Kampfszenen zeichnen wir die (musikalischen) Figuren aus Wagners „Ring“ nach. So entsteht ein Dialog zwischen unseren Kulturen, in der Sprache zweier Meister ihres Faches: Der Ring des Nibelungen in einem neuen Gewand.
(Liu Dake)

DFK Deutscher Freundeskreis europäischer Jugendorchester e.V.

Der Deutsche Freundeskreis europäischer Jugendorchester e.V. (DFK) wurde im Jahr 1999 in Berlin als bürgerschaftliche Initiative gegründet. Sein Ziel war es, in der damals „neuen“ deutschen Hauptstadt eine Plattform für die besten jungen Orchestermusiker aus der ganzen Welt aufzubauen. Seit dem Jahr 2000 veranstaltet der DFK das Festival Young Euro Classic, welches jährlich die weltweit besten Jugendorchester fast drei Wochen lang im Sommer ins Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt einlädt. Young Euro Classic steht – ganz im Sinne der Veranstalter aus Politik, Kultur, Medien und Wirtschaft – für eine offene Gemeinschaft, Verständigung und Zukunft für Europa. Die Gesamtleitung des Festivals obliegt Dr. Gabriele Minz. Prof. Dr. Dieter Rexroth ist seit der Gründung der künstlerische Leiter von Young Euro Classic. Der Musikwissenschaftler ist einer der führenden Dramaturgen im deutschsprachigen Raum und unterstützte auch die Produktion „Der Ring des Nibelungen – Peking-Oper trifft auf Musiktheater“ als dramaturgischer Berater. Der Fokus des DFK liegt nach wie vor bei Young Euro Classic, hat sich in den letzten Jahren jedoch behutsam auf interessante Musik-Projekte mit jungen Künstlern aus aller Welt erweitert.

CNPOC China National Peking Opera Company

Die China National Peking Opera Company (CNPOC) wurde im Januar 1955 gegründet und ist heute eine der bedeutendsten Institutionen der Peking-Oper. Sie ist als nationale Organisation für darstellende Kunst direkt dem Ministerium für Kultur der Volksrepublik China unterstellt. Der erste Präsident der CNPOC war MEI Lanfang, der die Ausdrucksweise der Peking-Oper maßgeblich geprägt hat. Seit ihrer Gründung wirken an der CNPOC eine Vielzahl von herausragenden Bühnen­künstlern, Dramatikern, Regisseuren und Komponisten, die im In- sowie im Ausland einen hohen Ruf genießen.
Die CNPOC pflegt nicht nur die Tradition, sondern inszeniert auch neue und moderne Peking-Opern. Bis heute hat sie anhand von ca. 500 Stücken das kulturelle Erbe der Opern mit innovativen Formen verbunden und ihre Spartengrenzen zu anderen Kunstformen geöffnet. Bei nationalen und internationalen Wettbewerben wurden bereits mehr als 50 Stücke und über 200 Ensemblemitglieder ausgezeichnet, darunter waren die wichtigsten chinesischen Kulturpreise. Eine der Hauptaufgaben der CNPOC ist der kulturelle Austausch. Bei gefeierten Auftritten auf der ganzen Welt leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur Förderung des internationalen Kulturaustauschs.

Die Mitwirkenden

Produktion: Dr. Gabriele Minz und Song Chen
Regie: Anna Peschke Liu Dake
Kompositionen: Aziza Sadikova, Qiu Xiaobo
Dramaturgie: Derek Gimpel
Dramaturgische Beratung: Prof. Dr. Dieter Rexroth
Dramatikerin: Chen Zhuo

Kostüme: Jiang Dian
Bühnenbild: Ni Ke
Maskenbild: Zheng Weiling
Lichtdesign: Lutz Deppe

Darstellerinnen/Darsteller:

Liu Dake: Wotan
Zhang He: Siegfried, Hunding, Riese Fafner
Jiang Meiyi:  Sieglinde, Gutrune, Drache
Zhang Lei: Alberich, Gunter, Drache
Kara Leva: Brünnhilde, Rheintochter
Claudius Körber: Loge
Mattis Nolte: Hagen, Drache, Riese Fasolt, Siegmund

Musikerinnen/Musiker:

Juho Laitinen: Musikalische Leitung, Violoncello
Erik Drescher: Bass- und Glissandoflöte
Haeree Yoo: Horn und Wagnertuba
YI Shi: Schlagwerk
Song Rongzhen: Jinghu
Feng Siyi: Jing Erhu
Huang Ke: Mondlaute
Xia Shuyuan: Sheng und Bass-Sheng
Wang Xi: Chinesische Trommel
Niu Lulu: Großer Gong
Cao Rongping: Große Cymbal
Chen Shumin: Kleiner Gong

 

 

Anna Peschke (Regie, Konzept, Libretto)

Peschke inszeniert seit 2012 zeitgenössische Peking-Oper und schafft als Regisseurin und bildende Künstlerin neue Ausdrucksformen im Spannungsfeld von Performance, Peking-Oper, Installation und Neuer Musik. Ihr besonderes Interesse gilt dabei der Tradition sowie den Darstellungsregeln der Peking-Oper und der Überschreitung in modernen Inszenierungen.
Nach Woyzeck als Soloperformance mit Peking-Oper-Elementen folgte 2015 Faust – eine Recherche durch die Sprache der Peking-Oper, als Kooperation der italienischen Theaterstiftung ERT und der China National Peking Opera Company. 2017 bekam die Inszenierung die Auszeichnung als „Nationales Leuchtturmprojekt für exzellentes Theater“ des Kulturministeriums der Volksrepublik China und der Kulturabteilung der Stadt Peking.

Liu Dake (Wotan, Ko-Regie)

Liu Dake zählt zu den herausragenden nationalen Interpreten der China National Peking Opera Company in China. Nach seiner Ausbildung an der chinesischen Opernakademie zum Peking-Oper-Darsteller erhielt er u.a. die Goldmedaille des China Peking-Opera-Actors-Wettbewerbs und die Goldmedaille beim „Hongmei Cup“ für den Kampfsport Judo. Als Peking - Oper-Darsteller stand LIU Dake bereits auf vielen internationalen Bühnen, u.a. in Europa und Singapur. Darüber hinaus unterrichtete er als Dozent am Institut für Chinesische Oper in der Central Academy of Drama und gab Gastvorträge in China, Japan und Süd-Amerika. Neben seiner Tätigkeit als erfahrener Peking-Oper-Darsteller.

Aziza Sadikova (Komposition)

Aziza Sadikova erhielt ihren ersten Klavier- und Kompositionsunterricht mit fünf Jahren in ihrer Heimatstadt Taschkent, Usbekistan. Später studierte sie Komposition am dortigen Staatlichen Konservatorium in der Klasse von Dmitri Yanov-Yanovsky und setzte ihre Studien schließlich in England am Royal Birmingham Conservatoire sowie am Trinity College of Music fort. Ihre Musik wurde auf zahlreichen namhaften Festivals und in bedeutenden Konzerthäusern aufgeführt. Sadikova arbeitet mit bekannten Dirigenten zusammen und wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, darunter der Europäische Komponistenpreis. Ihre Musik wurde u.a. im BBC Radio, im Deutschlandradio Kultur und im Moskauer TV-Kulturkanal vorgestellt.

Qiu Xiaobo (Komposition)

Qiu Xiaobo ist seit 1994 Komponistin der China National Peking Opera Company. Sie absolvierte 1991 ihr Studium an der Musikabteilung der National Academy of Chinese Theatre Arts (NACTA) mit dem Schwerpunkt Jing‘erhu. Sie hat mit einer Vielzahl namhafter Künstler zusammengearbeitet und als Komponistin an zahlreichen Produktionen mitgewirkt, darunter an Su Wu der Held in der Wüste, Han Yuniang, General Flying-Tiger und The Peacock‘s Plume. Für diese Kompositionen wurde QIU Xiaobo vom Chinesischen Ministerium für Kultur und Tourismus ausgezeichnet.